Toms Sommer voller Töne

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Kapitel 1: Toms schlimmste Ferienidee

Tom hatte sich die Sommerferien ganz anders vorgestellt. Er wollte lange ausschlafen, Comics lesen und nur dann vom Sofa aufstehen, wenn es etwas Leckeres zu essen gab.

Doch an einem sonnigen Samstagmorgen legte seine Mutter einen bunten Brief vor ihn auf den Frühstückstisch. Auf dem Umschlag standen große, geschwungene Buchstaben: „Musik-Camp am Waldsee“.

„Was soll das sein?“, fragte Tom und schob seine Cornflakes beiseite.

Sein Vater lächelte. „Das ist deine Ferienüberraschung. Wir haben dich für eine Woche angemeldet.“

Tom starrte den Brief an, als wäre er plötzlich in einer fremden Sprache geschrieben. „Ein Musik-Camp? Aber ich spiele doch gar kein Instrument!“

„Das macht nichts“, sagte seine Mutter freundlich. „Dort kannst du verschiedene Instrumente ausprobieren, mit anderen Kindern spielen und vielleicht etwas Neues entdecken.“

Tom seufzte so laut, dass der Familienhund unter dem Tisch kurz die Ohren spitzte. Musik bedeutete für ihn vor allem: üben, still sitzen und immer wieder dieselben langweiligen Töne hören. Viel lieber hätte er an einem Computer-Camp teilgenommen. Dort hätte er bestimmt knifflige Rätsel schneller gelöst als alle anderen.

„Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm“, meinte sein Vater.

Tom verschränkte die Arme. „Bestimmt muss ich dort den ganzen Tag langweilige Lieder spielen.“

Seine Mutter zwinkerte ihm zu. „Finde es heraus. Am Montag geht es los.“

Tom ließ den Kopf auf den Tisch sinken. Seine Sommerferien hatten gerade erst begonnen – und schon klangen sie für ihn ziemlich furchtbar.

Seite 2: Zwei ziemlich große Instrumente

Am Montagmorgen stand Tom mit seinem Koffer vor einem alten Haus mit bunten Fahnen. Auf einem Schild stand: „Musik-Camp Sonnenton“.

Drinnen hörte er Klavierklänge, Trommeln und ein lang gezogenes „Töööröö“. Tom verzog das Gesicht. Als Frau Berger ihn begrüßte, lächelte sie so freundlich, dass er wenigstens höflich nickte.

„Willkommen, Tom! Wir probieren heute verschiedene Instrumente aus“, sagte sie.

Tom entdeckte sofort einen gemütlichen Sitzsack in der Ecke. Vielleicht konnte er sich dort unauffällig hinsetzen und so tun, als müsste er auf seinen Koffer aufpassen. Doch Frau Berger hatte ihn schon bemerkt.

„Du darfst zuerst wählen“, sagte sie und führte ihn zu einem Tisch voller Instrumente.

Tom zeigte auf eine kleine Rassel. „Die sieht leicht aus.“

Frau Berger lachte leise. „Die kommt später. Erst bekommst du etwas Besonderes.“ Sie reichte ihm ein glänzendes Saxophon. Es war schwerer, als Tom gedacht hatte, und sein goldener Korpus funkelte im Licht.

„Und dieses Cello darfst du auch ausprobieren“, fügte sie hinzu und zeigte auf ein großes Holzinstrument neben einem Stuhl.

Tom starrte erst das Saxophon, dann das Cello an. „Beides? Aber ich wollte eigentlich nur zuschauen.“

„Zuschauen kannst du später“, sagte Frau Berger. „Jetzt darfst du herausfinden, welche Töne darin stecken.“

Neben ihm grinste ein Mädchen mit einem Saxophon-Koffer. Ein anderes Mädchen strich neugierig über die Saiten des Cellos.

Tom seufzte. Dann nahm er das Saxophon etwas fester in die Hände.

Ein Ton wie Sonnenschein

„Das ist mein Saxophon“, sagte das Mädchen mit dem Koffer und setzte sich auf einen Stuhl. „Ich heiße Mia. Soll ich dir einen ganz einfachen Rhythmus zeigen?“

Tom zuckte mit den Schultern. „Wenn es sein muss.“

Mia lachte, als wäre das die lustigste Antwort der Welt. Sie klopfte mit dem Fuß auf den Boden. „Wir zählen: eins, zwei, drei, vier. Und dann spielst du immer kurz: ta, ta, taa.“

Tom setzte das Mundstück an die Lippen. Beim ersten Versuch kam nur ein leises Pusten heraus. Beim zweiten quiekte das Saxophon so schräg, dass Mia sich die Ohren zuhielt und kicherte.

„Nicht so fest beißen“, erklärte sie freundlich. „Stell dir vor, du pustest eine Seifenblase.“

Tom probierte es noch einmal. Eins, zwei, drei, vier. Ta, ta …

Dann kam ein langer, warmer Ton aus dem Saxophon. Er klang rund und hell, fast wie ein Sonnenstrahl, der durch ein Fenster fällt.

Tom riss die Augen auf. „Das war ich?“

„Ganz genau du!“, sagte Mia und klatschte in die Hände. „Siehst du? Das Saxophon mag dich schon.“

Tom versuchte, möglichst gleichgültig zu schauen. Doch seine Mundwinkel zuckten nach oben. Vielleicht steckten in diesem glänzenden Instrument ja doch ein paar interessante Töne.

Neben dem Cello räusperte sich das andere Mädchen. „Und jetzt“, sagte sie, „möchte mein Instrument auch Hallo sagen.“

Das Cello macht „Mampf“

Leni setzte sich auf den Stuhl neben dem großen, braunen Cello. „Das ist mein Lieblingsinstrument“, erklärte sie. „Es hat tiefe Töne, die manchmal klingen wie ein brummender Bär. Aber ein freundlicher Bär.“

Tom stellte das Saxophon vorsichtig ab. „Und wie spielt man das?“

„Mit einem Bogen“, sagte Leni und hielt ihm einen langen Stab mit weißen Haaren hin. „Der streicht über die Saiten. Probier mal langsam.“

Tom setzte sich hin, klemmte das Cello zwischen die Knie und zog den Bogen darüber. „Wuuuuummm“, machte es.

Mia prustete los. „Das klingt wie mein Bauch vor dem Mittagessen!“

„Oder wie der Kartoffelbrei heute“, sagte Tom schnell. „Der hat auch so gewackelt.“

Leni lachte. „Perfekt! Dann machen wir ein Geräusch-Lied über das Camp-Essen.“ Sie zupfte eine Saite. „Pling! Das sind die Erbsen, die vom Löffel hüpfen.“

Mia blies ins Saxophon: „Pffft-pfiiiep!“

„Die Nudeln sind zu heiß!“, rief sie.

Tom strich noch einmal über die tiefe Saite. „Wumm-wumm“, machte das Cello. „Und das ist der Nachtisch, der in den Bauch plumpst.“

Gemeinsam spielten sie ihr seltsames Essens-Lied noch einmal. Tom musste so lachen, dass der Bogen fast von der Saite rutschte. Musik konnte offenbar sogar nach Kartoffelbrei klingen.

Ideen im Takt

Tom setzte den Bogen ab und sah Mia und Leni an. „Wisst ihr was? Vor dem Nachtisch könnte noch etwas kommen.“

„Etwas wie?“, fragte Leni neugierig.

Tom dachte kurz nach. Denken fiel ihm leicht, auch wenn er sonst lieber auf dem Sofa lag. Dann klopfte er mit zwei Fingern auf den Cellokasten: „Tipp-tapp, tipp-tapp. Das sind die Schritte zur Mensa.“

Mia grinste. Sie blies dazu zwei helle Töne auf ihrem Saxophon.

„Und dann“, sagte Tom, „machen alle einen langen Ton, weil sie in der Schlange warten müssen.“ Er summte: „Mmmmmm!“

Leni lachte so sehr, dass ihre Zöpfe wackelten. „Das ist genial! Ich spiele dazu ganz langsam die Warteschlange.“ Sie strich mit dem Bogen über die tiefe Saite.

Plötzlich hatte Tom noch mehr Ideen. Für die knarrende Camp-Tür klopfte er einen schnellen Rhythmus. Für Frau Bergers Schlüsselbund ließ Mia ihr Saxophon klimpern. Leni erfand dazu ein leises Brummen, das wie ein müder Kühlschrank klang.

„Du hast wirklich ein gutes Ohr für Melodien“, sagte Mia.

Tom wurde warm im Gesicht. „Echt?“

„Echt!“, sagte Leni. „Und deine Rhythmen passen super dazu.“

Ohne dass ihn jemand erinnern musste, nahm Tom den Bogen wieder in die Hand. Die drei übten ihr Geräusch-Lied noch einmal, dann noch einmal. Als Frau Berger in die Tür schaute, spielten sie gerade alle gleichzeitig und mussten dabei lachen.

Draußen wurde es langsam Abend, doch Tom wollte noch nicht aufhören.

Seite 6: Die Camp-Abend-Melodie

Am nächsten Morgen hing ein buntes Plakat im Speisesaal: **Camp-Abend heute!** Jedes Grüppchen durfte ein kurzes Stück vorspielen.

„Wir machen mit!“, rief Mia sofort und hob ihr Saxophon in die Luft.

Tom wollte erst sagen, dass sie noch gar nichts Fertiges hatten. Doch Leni grinste. „Doch, haben wir. Wir brauchen nur einen richtigen Anfang und ein Ende.“

Also setzten sie sich unter den großen Kastanienbaum. Mia spielte ihren fröhlichen Rhythmus: „Ta-ta-taaa, ta-ta!“ Leni antwortete auf dem Cello mit tiefen, brummenden Tönen. Tom hörte genau hin und klopfte mit zwei Stöcken auf eine leere Keksdose.

„Wartet!“, sagte er plötzlich. „Nach Mias hellen Tönen kommt Lenis Kühlschrank-Brummen. Und dann machen wir alle drei drei schnelle Schläge: bum-bum-bum!“

„Das klingt wie eine Überraschung!“, sagte Leni.

Sie probierten es aus. Beim ersten Mal begann Mia zu früh. Beim zweiten Mal rutschte Tom ein Stock aus der Hand. Doch beim dritten Mal passte alles zusammen: das helle Saxophon, das warme Cello und Toms lustiger Dosenrhythmus.

Frau Berger blieb stehen und lauschte. „Das ist ein richtiges Stück geworden“, sagte sie. „Wie nennt ihr es?“

Tom dachte kurz nach. Dann lächelte er. „Sommerklänge aus dem Camp.“

Die drei sahen sich an. Morgen würden sie es vor allen vorspielen.

Der große Camp-Abend

Am nächsten Abend leuchteten bunte Lampions im Garten des Musik-Camps. Eltern, Kinder und alle Gruppen saßen auf Bänken vor der kleinen Bühne. Tom hielt seine Stöcke fest und spürte ein Kribbeln im Bauch.

„Du schaffst das“, flüsterte Mia und hob ihr Saxophon.

Leni lächelte. „Wir machen es einfach zusammen.“

Dann kündigte Frau Berger die drei an. „Jetzt kommen Mia, Leni und Tom mit ihren ,Sommerklängen aus dem Camp‘!“

Zuerst klopfte Tom langsam seinen Dosenrhythmus. Klack, klack, klack – Pause – klack! Leni setzte mit ihrem warmen Cello ein. Schließlich spielte Mia die fröhliche Melodie auf dem Saxophon. Alles passte zusammen, genau wie beim Üben.

Als das Stück an der lustigen Stelle über das Camp-Essen ankam, kicherten viele Kinder. Tom wurde mutiger und spielte seinen Rhythmus besonders klar. Sogar ein kleiner Trommelwirbel gelang ihm.

Beim letzten Ton war es einen Moment ganz still. Dann klatschten alle so laut, dass Tom breit grinste. Frau Berger nickte stolz.

„Bravo!“, rief sie.

Tom verbeugte sich mit Mia und Leni. Früher hätte er Musik-Camp für langweilig gehalten. Nun wusste er: Allein konnte ein Ton nett sein. Aber zusammen mit Freundinnen konnte daraus etwas richtig Tolles werden.

Auf dem Rückweg sagte Tom: „Morgen üben wir weiter, oder?“

„Natürlich!“, sagten Mia und Leni gleichzeitig.

Und Tom freute sich schon auf die nächsten Sommerklänge.

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