Seite 1: Die Wiese aus Blöcken
Coco blinzelte gegen das helle Sonnenlicht. Unter seinem Rücken fühlte sich das Gras seltsam kantig an. Als er sich aufsetzte, staunte er: Die ganze Wiese bestand aus grünen, würfelförmigen Blöcken.
„Raphael? Mia? Leni?“, rief er.
Neben ihm regte sich Raphael und setzte sich langsam auf. Er strich über einen Grasblock und sagte ganz ruhig: „Das sieht aus wie … Minecraft.“
Mia sprang auf die Beine. Ihre Augen wurden groß, als sie die Landschaft sah. In der Ferne standen Bäume mit eckigen Kronen, ein Fluss glitzerte wie aus kleinen blauen Würfeln, und sogar die Wolken hatten klare, rechteckige Kanten.
„Dann sind wir wirklich in einer Minecraftwelt!“, sagte sie begeistert.
Leni stand ein paar Schritte weiter bei einem kleinen Schaf. Das Schaf hatte weiße, blockige Wolle und schaute sie neugierig an. „Es hat gar keine Angst“, flüsterte Leni freundlich. „Vielleicht weiß es, dass wir Hilfe brauchen.“
Coco drehte sich einmal im Kreis. Überall gab es Hügel, Blumen und hohe Bäume aus Blöcken. Es war wunderschön, aber auch ziemlich fremd.
„Wir sollten zusammenbleiben“, schlug Raphael vor. „Erst schauen wir uns um, dann überlegen wir, wie wir nach Hause kommen.“
Die vier Freunde nickten. Gemeinsam gingen sie über die bunte Wiese los, während das kleine Schaf ihnen neugierig hinterherblickte.
Das Schild auf der Wiese
Nach ein paar Schritten blieb Coco plötzlich stehen. Zwischen zwei hohen Blumen ragte etwas aus dem Gras hervor. Es war ein Schild aus hellen Holzblöcken.
„Da steht etwas!“, rief er und lief vorsichtig näher.
Raphael las die dunklen Buchstaben laut vor: „Baut das Sonnenportal, dann findet ihr den Weg nach Hause.“
Für einen Moment sagte niemand etwas. Sogar das kleine Schaf schien das Schild neugierig anzusehen.
„Ein Sonnenportal?“, fragte Mia. „Das klingt nach einem Plan!“
Leni strich über den Rand des Schildes. Darunter war ein Bild eingeritzt: ein großer Bogen aus grauen Steinen, in dessen Mitte goldene und blaue Kristalle funkelten. Kristalle waren seltene, leuchtende Steine, erklärte Raphael, der das Bild genau betrachtete.
„Wir brauchen also Stein, Holz und diese Kristalle“, sagte er ruhig. „Vielleicht ist das Portal genau so gebaut wie auf dem Schild.“
Coco zeigte zum nahen Wald. Zwischen den Bäumen glänzte ein kleiner Fluss in der Sonne. „Dort könnten wir anfangen. Im Wald gibt es Holz, und am Fluss finden wir vielleicht Steine.“
„Und wir bleiben zusammen“, erinnerte Leni alle. Das kleine Schaf blökte leise, als wollte es zustimmen.
Mia lächelte entschlossen. „Dann suchen wir die Sachen für unser Sonnenportal!“
Die vier Freunde warfen noch einen Blick auf das geheimnisvolle Schild. Danach machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Wald und zum glitzernden Fluss.
Material für das Sonnenportal
Im Wald roch es nach Moos und frischen Blättern. Coco lief neugierig voraus, blieb aber immer wieder stehen, damit die anderen ihn einholen konnten. „Schaut mal! Diese Bäume haben ganz gerade Stämme“, rief er.
Raphael nickte. „Die eignen sich gut für Portalrahmen.“ Gemeinsam sammelten sie heruntergefallene Holzblöcke auf. Mia entdeckte unter einem Farn besonders helle Stücke. „Die nehmen wir auch! Sie sehen aus, als hätten sie Sonnenstrahlen gespeichert.“
Leni blieb bei dem kleinen Schaf, das zwischen den Büschen graste. „Nicht zu weit weggehen“, sagte sie freundlich. Das Schaf blökte und trottete dicht neben ihr her.
Am glitzernden Fluss fanden die Freunde graue, glatte Steinblöcke. Raphael prüfte jeden Stein sorgfältig. „Diese hier sind fest genug“, erklärte er. Coco stapelte sie in seinem Rucksack, während Mia am Ufer etwas Funkelndes entdeckte.
Zwischen den Kieselsteinen lagen kleine Kristalle in Blau, Grün und Lila. Sie leuchteten, obwohl die Sonne durch die Wolken schien. Vorsichtig sammelten die vier Freunde sie ein.
„Holz, Stein und leuchtende Kristalle“, zählte Raphael schließlich. „Das ist schon eine Menge.“
Mia schaute auf die bunten Kristalle in ihrer Hand. „Aber für ein Sonnenportal brauchen wir bestimmt auch einen goldenen Kristall.“
Die anderen sahen sich um. Am Flussufer war keiner zu entdecken. Doch hoch über den Bäumen ragte ein Berg in den Himmel.
Der Papagei zeigt den Weg
„Der Berg ist bestimmt unser nächstes Ziel“, sagte Coco und setzte einen Fuß auf einen moosigen Block. „Vielleicht wartet dort der goldene Kristall.“
Raphael schüttelte den Kopf. „Hinter dem Wald gibt es drei Berge. Wenn wir den falschen nehmen, verlieren wir viel Zeit.“
Da flatterte etwas Buntes aus den Blättern. Ein Papagei mit roten, blauen und gelben Federn landete auf einem Ast über ihnen. Er legte den Kopf schief und krächzte: „Glitzergold! Glitzergold!“
Leni lächelte. „Ich glaube, er möchte uns etwas zeigen.“ Vorsichtig hielt sie ihm ein paar Beeren hin, die sie am Wegesrand entdeckt hatte. Der Papagei pickte eine Beere auf und flog ein Stück vor. Dann wartete er, bis die Freunde ihm folgten.
Er führte sie nicht zum höchsten Berg, sondern zu einem kleineren Berg mit einer breiten, sonnigen Seite. Zwischen seinen grauen Blöcken funkelte etwas Goldenes wie ein winziger Stern.
„Seht ihr das?“, rief Mia. „Dort oben leuchtet es!“
Coco wollte sofort losrennen, doch Raphael zeigte auf einen schmalen Pfad aus hellen Steinblöcken. „Dieser Weg sieht sicher aus. Wir gehen zusammen.“
Der Papagei setzte sich auf einen Wegweiser aus Holz und schlug fröhlich mit den Flügeln. Auf dem Schild stand: „Zum Sonnenberg.“
Die vier Freunde bedankten sich bei ihrem gefiederten Helfer. Dann stellten sie sich nebeneinander an den Anfang des Pfades und blickten hinauf zum goldenen Leuchten.
Seite 5: Das Rätsel auf dem Sonnenberg
Der Aufstieg war steil, aber die hellen Steinblöcke lagen wie eine Treppe vor ihnen. Leni achtete darauf, dass niemand zu schnell ging, und Coco entdeckte unterwegs sogar kleine gelbe Blumen zwischen den Felsen.
Endlich erreichten sie die Spitze des Sonnenbergs. Dort stand ein runder Platz aus glatten Steinen. In seiner Mitte lagen neun große Blöcke: drei rote, drei blaue und drei gelbe. Über ihnen schwebte ein Schild:
„Ordnet die Farben wie den Himmel: Morgen, Mittag, Abend.“
Coco kratzte sich am Kopf. „Der Himmel ist morgens doch oft blau“, sagte er.
„Und mittags scheint die Sonne gelb“, ergänzte Mia sofort.
Raphael kniete sich neben die Blöcke. „Am Abend wird der Himmel rot oder orange. Vielleicht müssen die Farben in Reihen liegen.“
Leni lächelte und zeigte auf den Papagei, der ihnen gefolgt war. Seine Federn waren oben blau, in der Mitte gelb und unten rot. „Schaut mal! Vielleicht ist das der Hinweis.“
Gemeinsam schoben sie die Blöcke vorsichtig an ihren Platz: oben blau, in der Mitte gelb, unten rot. Als der letzte rote Block einrastete, erklang ein freundliches Klingeln.
Die Steine in der Mitte öffneten sich langsam. Aus einer kleinen Mulde stieg ein warmes goldenes Leuchten empor. Darin lag der letzte Kristall, heller als alle anderen.
„Wir haben ihn!“, rief Coco. Mia nahm den goldenen Kristall behutsam heraus, und alle vier Freunde strahlten vor Freude.
Das Sonnenportal leuchtet
Mit dem goldenen Kristall in Mias Händen machten sich die vier Freunde auf den Weg zurück zur Wiese. Der bunte Papagei flatterte noch ein Stück über ihnen und rief: „Krah! Zusammen schafft ihr das!“
Auf der Wiese zeigte Raphael auf eine freie Stelle zwischen zwei hohen Eichenblöcken. „Hier ist genug Platz“, sagte er ruhig. „Das Portal braucht einen starken Rahmen.“
Er legte die glatten Steine sorgfältig nebeneinander. Dann setzte er die Holzblöcke darauf und baute sie nach oben, bis ein großes Tor entstand. Coco reichte ihm einen Block nach dem anderen. „Der Weg sieht schon aus wie eine Sonne!“, sagte er begeistert.
„Jetzt kommen die Kristalle“, erklärte Raphael.
Mia setzte die blauen und roten Kristalle in die kleinen Vertiefungen an den Seiten. Leni legte die grünen Kristalle vorsichtig in die unteren Ecken. Dabei beobachtete ein neugieriges Schaf aus der Nähe alles ganz still.
Zum Schluss hielt Mia den goldenen Kristall hoch. Alle vier Freunde fassten ihn gemeinsam an und setzten ihn in die Mitte des Portals.
Zuerst glomm nur ein kleiner goldener Punkt. Dann breitete sich ein warmes Licht über den ganzen Rahmen aus. Das Portal begann hell zu leuchten, als würde darin flüssiger Sonnenschein tanzen.
Coco lächelte. „Ich glaube, es ist bereit.“
Die Freunde stellten sich nebeneinander vor das goldene Leuchten und nahmen sich an den Händen.
Wieder zu Hause
„Zusammen?“, fragte Leni und drückte die Hände ihrer Freunde.
„Zusammen!“, riefen Coco, Raphael und Mia.
Sie machten einen Schritt nach vorn.
Das goldene Licht kitzelte an ihren Nasen und wirbelte wie warme Funken um sie herum. Für einen kurzen Moment sahen sie bunte Blöcke, den Sonnenberg und den Papagei mit seinen glänzenden Federn. Der Papagei flatterte hoch in die Luft und rief: „Teamwork!“
Dann blinzelten die vier.
Sie standen wieder in Cocos Kinderzimmer. Auf dem Teppich lagen ihre Bauklötze, und auf dem Tisch leuchtete der Bildschirm mit ihrem Minecraft-Spiel. Draußen schien die Nachmittagssonne durch das Fenster, ganz genauso golden wie das Portal.
„Wir sind wirklich zurück!“, sagte Mia und lachte erleichtert.
Raphael schaute auf seine Hände. An einem Finger glitzerte noch ein winziges goldenes Staubkorn. „Und wir haben es geschafft, weil jeder von uns etwas Wichtiges konnte.“
„Coco hat neue Wege ausprobiert“, sagte Leni.
„Raphael hat das Portal gebaut“, ergänzte Mia.
„Mia hatte tolle Ideen“, sagte Coco. „Und Leni hat auf uns und die Tiere aufgepasst.“
Leni lächelte. „Also waren wir ein richtig gutes Team.“
Die anderen nickten.
Coco setzte sich vor den Bildschirm und nahm einen Controller in die Hand. „Wollen wir unser nächstes Minecraft-Abenteuer zusammen spielen?“
„Unbedingt!“, riefen die drei.
Gemeinsam bauten sie zuerst ein kleines Sonnenportal aus goldenen Blöcken. Darüber hängten sie ein Schild: „Freunde finden immer einen Weg.“
Und jedes Mal, wenn es auf dem Bildschirm golden leuchtete, erinnerten sie sich an ihr großes Abenteuer – und daran, dass sie zusammen alles schaffen konnten.